Bundespräsident Köhler auf dem Günsberghof in Ottenhöfen

Bundespräsident Horst  Köhler (CDU) bei seiner Schwarzwaldreise gestern zu Gast bei der Ottenhöfener  Familie Roth: Ob wir so was nochmals erleben«, sinniert Gerhard Roth (67) in  der Stube. Vor dem hohen Besuch sei der Stall geweißelt und Brot gebacken  worden. »Aber gut geschlafen habe ich schon«, sagt der Landwirt. Anders seine  Frau Maria: »Ich hab nicht so gut geschlafen.«

Horst Köhler hat Verspätung. Das neblige Wetter verzögert die Anreise aus  Baden-Baden. Plötzlich heißt es, er sei hinter Sasbach. »Das ist für Kurt  Kiesel, Dirigent der Achertäler Musikanten das Kommando: »Kommt, wir stellen uns  langsam auf!« Dann ist es so weit, der Bundespräsident und seine Gattin Eva  Luise treffen ein. Er mit schickem lodengrünen Forsthut, die grauen Hosenbeine  in wadenhohe cognacfarbene Lederstiefel gestopft. Er ist pragmatisch, der Horst  Köhler. »Ich möchte mit den Menschen hier ins Gespräch kommen, ich möchte  wissen, was Sache ist«, sucht er das Gespräch. Er hört sich die Probleme der  Landwirtschaft an, vor allem bei der Offenhaltung der Landschaft, spricht über  die Hofnachfolge mit Stefan Roth (39) und wie dessen vier Geschwister auf die  Hofübernahme reagiert haben. »Waren sie einverstanden, dass Sie den Hof  Übernehmen oder gar froh?«
Die Köhlers stapfen, gefolgt von Willi Stächele, Landrat  Klaus Brodbeck, Ottenhöfens Bürgermeister Dieter Klotz und Leibwächtern, durch  den Kuhstall, in dem bis zu zwölf Kühe (Braunvieh) sowie zwei Schweine für den  Eigenbedarf untergebracht sind. »Schauen Sie, da beißt eine in meine Jacke«,  meldet sich Eva Luise Köhler mit einem charmanten Lächeln zu Wort.
Für Horst Köhler gilt es, dem Wald einen höheren Stellenwert beizumessen.  »Erhalt und Pflege sind eine vordringliche Aufgabe«, sagt er. Und das  regnerische und neblige Wetter tat ein Übriges: »Es soll sich niemand darüber  beschweren: Nur bei diesem Wetter ist das Grün so kräftig.« Familie Roth  Überreicht dem hohen Gast einen Geschenkkorb mit echt Schwarzwälder  Spezialitäten, Landrat Brodbeck gibt noch einen dazu. »Da habe ich ja eine  ordentliche Wegzehrung. Das werden wir uns heute Abend schmecken lassen«, stellt  Köhler fest. Besonders interessierte er sich für das Wort echte Schwarzwälder  Spezialitäten. »Die kommen alle von unserem Hof«, erklärt Gerhard Roth. Der  Kirsch ist selbstgebrannt, der Blutwurz aus eigener Produktion, das Bauernbrot  auch, Würste und Schinken stammen vom eigenen Schwein.